Neustart im Grünwald

Die dritte Bauträgerin für das Areal Grünwald steht fest: Die Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk1 steigt ins Projekt ein. Gemeinsam mit ihr und der Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW) setzen wir uns für bezahlbaren Wohnraum auf dem Höngger Areal ein. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit.

Die Stadt Zürich hat die dritte Bauträgerin in einem intensiven Verfahren nach festen Kriterien ausgewählt. Die Stiftung Alterswohnungen (SAW) und die BGS waren dabei als stimmberechtigte Mitglieder im Beurteilungsgremium eng in den Prozess eingebunden. Nach dem Aus für das Projekt Ringling (2016) und Jahren des Stillstands ist das ein Neuanfang für den Grünwald. In Höngg sind wir mit den Siedlungen Riedhof und Rütihof bereits zu Hause. Auch im Grünwald wollen wir bezahlbaren und ökologisch nachhaltigen Wohnraum schaffen. Wichtig sind uns dabei Vielfalt, genossenschaftliche Werte und ein lebendiges Quartier. Als Nächstes geht es darum, die Zusammenarbeit der drei Bauträgerinnen aufzugleisen und gemeinsame Ziele und Anforderungen für den Grünwald zu formulieren. Damit schaffen wir die Grundlage für den Architekturwettbewerb und die weitere Entwicklung des Areals. Wir freuen uns, dass es im Grünwald nun wieder konkret vorwärtsgeht.

(Foto: Copyright "Höngger Zeitung")

Rückblick und Vision

Projekt Ringling scheitert

Die Stadt Zürich beschliesst 1999, ihr 30 000 m2 grosses Areal Grünwald in Höngg zur Überbauung freizugeben. Dazu sucht sie gemeinnützige Bauträgerinnen, um ihr Vorhaben umsetzen. Aus dem Architekturwettbewerb Grünwald 2005/2007 geht das Projekt Ringling als Siegerin hervor. Die Baugenossenschaft Sonnengarten (BGS), die Gemeinnützige Bau- und Mietergenossenschaft Zürich (GBMZ) und die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW) schliessen sich zu einer Bauträgerschaft zusammen. Das Projekt umfasst 277 Wohnungen, einen Quartier- und Jugendtreff, einen Kindergarten und -hort, einen Supermarkt und einen Quartierplatz. Ringling stösst jedoch von Anfang an auf eine starke Gegnerschaft in Höngg. Diese setzt jedes Rechtsmittel ein, um das Projekt zu verhindern. Schliesslich entzieht das Bundesgericht dem Projekt 2016 die Baubewilligung aufgrund einer ästhetischen Argumentation. Es macht geltend, dass Ringling den gesetzlichen Anforderungen an eine «besonders gute Gestaltung» nicht gerecht werde. Damit setzt es sich über die Entscheide der kommunalen und kantonalen Vorinstanzen hinweg - eine herbe Enttäuschung für die Bauträgerinnen nach über zehn Jahren Planung. Die angelaufenen Planungskosten müssen vollständig abgeschrieben werden.

Neues Projekt im Grünwald

Die drei Bauträgerinnen fassen 2016 den Entscheid, zusammen mit der Stadt Zürich ein neues Projekt im Grünwald zu entwickeln. Als Grundlage dafür lancieren sie ein Quartier-Mitwirkungsverfahren mit drei Workshops. Dabei holen sie die Wünsche und Vorstellung der Bewohnerschaft - einschliesslich Gegnerschaft - ab. Bei der notwendigen Bereinigung von Planungsgrundlagen - z. B. Verlegung von Bushaltestellen oder Planung eines Radwegs - stösst die Stadt einmal mehr auf den Widerstand der Projektgegner:innen. Dieser bringt den Projektfortschritt ins Stocken. Die Bauträgerin GMBZ tritt 2025 vom Projekt zurück. Die Stadt will 2026 eine neue Bauträgerin suchen, welche die Vision für ein neues Projekt im Grünwald teilt.

Vision Grünwald

SAW, Kraftwerk1 und BGS verfolgen ein gemeinsames Ziel: Im Grünwald soll in den nächsten Jahren ein neuer, gemeinnütziger Quartierteil entstehen. Geplant sind rund 400 Wohnungen für unterschiedliche Generationen und Lebensformen. Dazu kommen Gewerbeflächen sowie gemeinschaftlich nutzbare Räume. Eine gute Durchmischung und vielfältige Wohnformen sollen zu einem lebendigen Quartier beitragen.

Auch der Aussenraum spielt dabei eine wichtige Rolle. Er soll ökologisch wertvoll und durchlässig gestaltet werden, Raum für Begegnungen bieten und gleichzeitig die Biodiversität fördern.

Die drei Bauträgerinnen bringen unterschiedliche Erfahrungen und Stärken mit und entwickeln das Areal gemeinsam und auf Augenhöhe. Jede übernimmt rund einem Drittel des Projektvolumens. Auch bei der Planung und später im Betrieb setzten die drei Partnerinnen auf eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Zeitplan

  • voraussichtlich ab 2027 Wettbewerbsverfahren
  • September 2026 Wahl dritte Bauträgerin
  • 4. März 2026 Publikation Baurechtsausschreibung durch die Stadt Zürich

Historische Entwicklung

1989
Die damalige Stadträtin Ursula Koch lädt die Bevölkerung Hönggs zur «Offenen Planung Rütihof» ein.
1999
Die Stadt Zürich gibt das Areal Grünwald im Rahmen des Legislaturziels «10 000 Wohnungen» zur Überbauung frei und sucht gemeinnützige Investorinnen, um ein Projekt auf ihrem Areal zu entwickeln.
2006
Bereits im Herbst 2006 formieren sich die Gegner des Projekts in der «IG pro Rütihof».
2006
Im November sagt die Generalversammlung der BGS Ja zum Projekt Ringling.
2008
Die Stadt Zürich erteilt die Baugenehmigung, wogegen Nachbarschaftskreise einen Rekurs einreichen. Die Baurekurskommission und das Verwaltungsgericht des Kantons stützen diesen, worauf die Baubewilligung aufgehoben wird.
2012
Die Bauträgerinnen entscheiden sich, das Projekt zu überarbeiten und neu einzureichen. Der Stadtrat Zürich bekräftigt seine Unterstützung für das Projekt.
2013 - 2015
Das überarbeitete Projekt mit einer neuen Verkehrslösung erhält die Baubewilligung. Darauf erfolgt wiederum ein Rekurs aus denselben Nachbarschaftskreisen beim Baurekursgericht, welchen dieses 2014 abweist. Die Ringling-Gegner:innen ziehen den Entscheid ans Verwaltungsgericht weiter. Auch dieses weist den Rekurs zurück.
2014 - 2015
Die Gegnerschaft zieht den Entscheid des Verwaltungsgerichts ans Bundesgericht weiter.
2016
Im September 2016 entzieht das Bundesgericht dem Projekt Ringling die Baubewilligung. Eine starke Gegnerschaft in Höngg kann sich durchsetzen; die Fachwelt ist konsterniert. Die Bauträgerinnen halten am Entscheid fest, ein zweites Projekt anzustossen und dringend nötigen Wohnraum zu realisieren.
2017
Die Stadt und drei Bauträgerinnen bilden eine Spurgruppe, um ein neues Projekt im Grünwald anzugehen.
2018
Im 1. Halbjahr 2018 bringen die Bauträgerinnen ein Mitwirkungsverfahren mit drei Workshops mit der Bevölkerung zum Abschluss. Darin wirken 120 Personen mit: Quartierbewohnende, Vertreter:innen der beteiligten Bauträgerinnen und der Stadt Zürich sowie Planer:innen. Das breit abgestützte Verfahren soll sicherstellen, dass die Interessen der Menschen im Rütihof – auch die der Gegnerschaft – in das Projekt einfliessen.
2019 - 2024
Das Projekt bleibt blockiert. Die drei Bauträgerinnen und die Stadt tauschen sich im Hintergrund weiter untereinander aus.
2025
Die Bauträgerinnen beschliessen abzuwarten, bis eine rechtlich tragfähige Grundlage besteht, um ein Projekt in Angriff zu nehmen. Sie bereiten mit der Stadt Zürich eine Projektentwicklungsvereinbarung vor. Die Bauträger:in GBMZ tritt 2025 vom Projekt zurück.
2026
Die Stadt Zürich geht im Frühling 2026 die Suche nach einer dritten Bauträgerin mittels öffentlicher Ausschreibung an.