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Baugenossenschaft Sonnengarten
Intern

Ausziehen, umziehen, weiterziehen

Die Wohnung ist so charmant.
Das Zügeln war eine Riesenfuhr.
Ich traure den alten Zeiten nicht nach.
Hallo, ist jemand zuhause?
Manchmal haben wir ein bisschen Heimweh.
Ich gehöre eigentlich nicht hierher.
Wir möchten später ins Villy.

In den drei Baufeldern im Goldacker ist ein Kommen und Gehen. Da bald die neue Siedlung Villy gebaut wird, müssen die Alteingesessenen Abschied nehmen und ausziehen. Sie finden neue Wohnungen oder einen Platz im Altersheim. Neue Leute ziehen vorübergehend in die befristet vermieteten Wohnung im Goldacker ein und geniessen die Vorzüge der wohnenswerten und günstigen Altbauwohnungen.

 

Paar, das in einer befristeten Wohnung der BGS wohnt.
Samuel und Ivona haben die Altbau-Wohnung im Baufeld A einer neuen Wohnung vorgezogen.

Befristetes Wohnglück

«Grad hatten wir den Mietvertrag für unsere erste gemeinsame Wohnung unterschrieben, als der Anruf der BGS kam, wo wir noch auf der Warteliste für befristetes Wohnen standen: Es würde eine 3,5-Zimmer-Wohnung frei, hiess es, befristet auf drei Jahre. Wir konnten es uns trotz unterschriebenem Vertrag nicht verkneifen, Kontakt für eine Besichtigung aufzunehmen. Die Wohnung gefiel uns auf Anhieb. Sie ist so charmant. Als wir dann noch den lauschigen Gartensitzplatz sahen, war es um uns geschehen. Wir suchten für die andere, nichtgenossenschaftliche Wohnung einen Nachmieter und zogen hier ein. Es hat sich gelohnt. Das Grün rundherum ist wunderschön. Wir haben ein kleines Kräutergärtchen angelegt und Himbeeren gepflanzt, in den Büschen Lichtergirlanden aufgehängt. Es ist sehr gemütlich, auf dem Gartensitzplatz in der Morgensonne zu käfele oder an lauen Sommerabenden mit Freunden draussen zu sitzen. Auch die Nachbarschaft stimmt, wir haben es gut im Haus. Hier helfen sich alle gegenseitig. Der Genossenschaftsgedanke entspricht uns. Nicht die Gewinnmaximierung, sondern das Soziale, das Miteinander, stehen im Vordergrund. So möchten wir auch in Zukunft wohnen.»

Maria Heim, Altersheim
Maria gefällt es im Senioren-Zentrum, unweit ihrer ehemaligen Wohnung.

Geborgen im Senioren-Zentrum

«Ich erinnere mich noch gut daran, es war 1976. Mein Mann und ich kamen für eine Wohnungsbesichtigung an die Triemlistrasse. Der Verwalter zeigte uns eine identische Nachbarwohnung im Parterre und führte uns zuerst auf den Sitzplatz. Er zeigt auf die Wohnung nebenan und sagte: Diese da ist es. Mein Mann antwortete sofort: Wir nehmen sie! Ohne, dass wir je drin waren. Der Sitzplatz, das war’s, der Rest war uns nicht so wichtig. Also zogen wir ein und hatten eine gute Zeit, eine schöne Nachbarschaft. Ich lebte ganze 45 Jahre in der Siedlung und hatte für alle ein offenes Ohr. Der Schluss war leider unglücklich, denn bei mir wurde eingebrochen. Trickbetrüger. Der eine telefonierte mir, ein Kollege käme vorbei – warum weiss ich nicht mehr –, und schon läutete es an der Tür. Ich öffnete, der Mann kam herein und ging direkt ins Schlafzimmer zum Tresor. Er fand den Schlüssel und räumte alles leer. So geschockt, wie ich war, konnte ich überhaupt nicht reagieren, ich sass einfach da. Nach diesem Vorfall zog ich zur Tochter, nachher zum Sohn. Beide leben im Bündnerland. Doch ich wollte zurück, nach Zürich, in meine Stadt. Hier fühle ich mich wohl und geborgen. Ich trauere alten Zeiten nicht nach, jetzt bin ich hier, im Senioren-Zentrum, und es gefällt mir gut.»

Familie Shahzad
Familie Shahzad ist aus dem Baufeld C in die Triemli-Siedlung gezogen.

Endlich mehr Platz für die Kinder

«Es ist alles noch etwas ungewohnt und manchmal haben wir ein bisschen Heimweh nach dem alten Ort. Wir hatten eine sehr gute Nachbarschaft dort, aber für eine fünfköpfige Familie war die 3-Zimmer-Altbauwohnung im Baufeld C im Goldacker viel zu klein. Es ist wie Tag und Nacht: Kam ich vorher von der Arbeit nachhause, stand ich grad mitten in der Wohnung und traf auf die ganze Familie. Hier komme ich rein, es ist offen, hell und hat so viel Platz; dass wir noch nicht genug Möbel haben, um ihn zu füllen. Ich rufe: Hallo, ist jemand zuhause? Der grosse Wohnzimmer- und Küchen-Bereich ist unser Highlight, hier sind wir alle besonders gerne. Die Kinder haben Platz zum Spielen. Sie haben jetzt ihr eigenes Zimmer und können Freunde einladen. Es ist erstaunlich ruhig hier, wir hören nichts von den Nachbar/-innen. Am alten Ort war es sehr ringhörig, der Boden knarrte und quietschte bei jedem Tritt. Manchmal können wir es kaum fassen, dass wir jetzt hier wohnen. Obwohl das Haus gross ist, kennt man sich, alle sind nett und hilfsbereit. Extrem schön ist die Aussicht vom 4. Stock, unbezahlbar! Und erst noch praktisch: Wir sehen die Kinder vom Balkon aus im Hof spielen und können sie jederzeit rufen oder ihnen etwas hinunterwerfen.»

Roman im Wydäcker
Roman könnte sich gut vorstellen, später im Villy zu wohnen.

Auf der Interessentenliste

«Zuvor lebten meine Partnerin und ich im Rossacker Baufeld A, sie als Genossenschafterin; ich, damals noch im Studium, als befristeter Mieter in einer WG. Heute bin auch ich Genossenschafter, was ich als Privileg empfinde. Das Leben im Wydäckerring ist anders, man spürt den Genossenschaftsgedanken viel mehr. Im Rossacker – beide unsere damaligen Wohnungen liegen im Baufeld A – war logischerweise ein Kommen und Gehen. Hier ist es beschaulicher und man kennt sich, macht auch mal etwas zusammen. Letzthin haben einige GenossenschafterInnen zusammen im Hof Maroni gebrätelt, ein feiner Anlass! Der Rossacker gefällt uns vom Ort her gut und das Neubauprojekt Villy finden wir spannend. Darum haben wir uns auf die Interessenten-Liste setzen lassen und an einem Partizipations-Workshop teilgenommen. Toll, dass die Genossenschaft Teilnahme ermöglicht! So holt man sich die Interessierten ins Boot und erhält wertvolle Inputs. Eine Erkenntnis des Workshops war, dass eine hohe Belegung der Wohnungen dem Zeitgeist widerspreche und eine gute Durchmischung verhindere, schliesslich solle eine Genossenschaft für alle da sein. Und: Ungleichheiten könnten ja mit individuellen Anpassungen, beispielsweise flexiblen Mietzinsen, aufgefangen werden. Diesen Ansatz finden wir interessant - und für Villy durchaus prüfenswert.»

Die Tessinerpalme aus der Bergwiesen hat im Wydäcker frische Wurzeln geschlagen.

Verbreitet Südstimmung

«Ich heisse Trychycarpus fortunei, was wohl irgendwie nach Glück tönt. Bekannter bin ich als Tessinerpalme. Aber eigentlich bin ich im Tessin nicht wirklich zuhause und man sagt, ich sei ein invasiver Neophyt, weil ich aus dem ostasiatischen Raum zugewandert bin. Doch darum geht es hier nicht, sondern um meinen Umzug. Ich stand nämlich zwölf Jahre an der Triemlistrasse. Dort kannten mich alle. Viele sagten, ich erinnere an den Süden, und das mache glücklich. Die Züglete an den Wydäckerring war eine Riesenfuhr! Weil ich so gross bin, musste man mir einen Teil der Wurzeln wegschneiden. Jetzt bin ich schon neun Monate am neuen Ort und ich find’s super hier. So prominent, wie ich jetzt dastehe, von allen Seiten sichtbar, im Rücken das Haus, das mich vor dem Nordwind schützt. Mein Mensch, die Gabriela, hegt und pflegt mich liebevoll. Wenn sie Besuch hat und über mich spricht, sagt sie: Nicht ohne meine Palme! Sie gehört zu mir! Und das finde ich richtig schön. Auch, dass mich die Nachbarn willkommen geheissen haben, obwohl einige anfangs schon etwas schief geschaut haben. Aber das ist wohl so bei Neuankömmlingen. Ich bin dankbar, wenn man mich mag, und tue mein Bestes, auch hier Südstimmung zu verbreiten.

Texte und Fotos: Katharina Nüesch